Abhalten im Wochenbett – so klappt’s!

Baby wird abgehalten

Vor wenigen Monaten durfte ich das Wunder der Geburt nochmal erleben – es ist wirklich ein Wunder, oder 😍? Jedenfalls haben wir unser Baby diesmal ab Geburt abgehalten. Und da meine eigenen Erfahrungen noch frisch sind, dachte ich, das ist der perfekte Zeitpunkt, um sie aufzuschreiben und mit dir zu teilen.

Denn das Abhalten im Wochenbett ist etwas ganz besonderes. Es ist die Zeit der Heilung und der ersten Male. Und deshalb funktioniert das Abhalten auch noch ein bisschen anders, als bei einem älteren Baby.

Vielleicht nimmst du für dich ja ein paar Aha-Momente mit, die dir in deinem eigenen Wochenbett eine Hilfe sind?

💡Falls du dich jetzt fragst, was eigentlich „Abhalten“ ist, dann schau unbedingt in meinen umfassenden Blogartikel zum Abhalten rein.

Beim Abhalten im Wochenbett geht es nicht darum, dass du dasitzt und dein Baby permanent beobachtest, um ja kein Ausscheidungssignal zu verpassen (darum geht es grundsätzlich nicht beim Abhalten).

Es geht darum, dass du das Ausscheidungsbedürfnis deines Babys auf dem Schirm hast und bei Gelegenheit darauf eingehst.

Denn das Wochenbett läuft i.d.R. so ab: Dein Baby macht den ganzen Tag nichts anderes als Milch trinken, ausscheiden und schlafen. Und das sehr sehr oft. Ausgeschieden wird sogar bis zu 30x am Tag! Und wenn es gut läuft, dann schaffst du es zwischendurch etwas zu essen, Zähne zu putzen oder zu duschen.

Nicht zu vergessen: Die Wahnsinnsleistung, die dein Körper da abgeliefert hat! Auch du solltest viel liegen und schlafen, um dich von der Geburt zu erholen.

Ein gefüllter Kühlschrank bzw. Gefriertruhe ist deshalb viel wichtiger als das perfekt eingerichtete Kinderzimmer. Kleiner Tipp am Rande 😜.

Und weißt du was? Genau diese intensive Zeit, in der du sowieso den ganzen Tag mit deinem Baby in Körperkontakt bist, ist eigentlich die perfekte Ausgangssituation fürs Abhalten.

Und das Wochenbett ist sowieso die Zeit der ersten Male, also warum nicht einfach mit dem Abhalten starten?

Jetzt fragst du dich vielleicht: Ist das Gespür dafür, wann mein Baby mal muss, einfach da? Oder muss ich das erst lernen?

In unserer Kultur fehlen uns leider die Vorbilder. Nicht nur beim Abhalten, sondern auch beim Stillen und anderen Themen. Du siehst im Alltag oder familiären Umfeld häufig einfach niemanden, der das macht.

Deshalb startest du in deinen vier Wänden vermutlich bei Null. Und Intuition entsteht durch Erfahrung. Also trau dich! Kopf ausschalten und einfach machen!

Stell dich darauf ein, dass da am Anfang viel daneben geht und du mehrere Anläufe brauchst. Trial and Error, sagt man doch so schön.

Doch jedes Mal wenn was daneben geht, lernst du wieder etwas dabei. Und wenn du dran bleibst, geht’s dir wie den meisten: nach wenigen Wochen bist du ein kleiner Abhalte-Profi.

Auf dem Bild siehst du, wie du in der Wiegeposition abhältst. Das ist für neugeborene Babys mit fehlender Kopfkontrolle oft am bequemsten.

Wenn du dich zum Abhalten hinsetzt, kannst du das Töpfchen auf deinem Schoß fixieren und hast die Hand frei, um die Füße deines Baby festzuhalten.

Weniger ist mehr – so kannst du starten

Die ersten Lebenstage deines Babys passiert ausscheidungstechnisch noch nicht so wahnsinnig viel. Dein Baby wird ein paar wenige Male pinkeln und das Mekonium, auch Kindspech genannt, absetzen. Ich denke das ist so von der Natur gewollt, denn in den ersten Tagen brauchen Mama und Baby noch ganz viel Erholung.

Ich gebe dir hier keine Anleitung oder Vorgaben wie du das in den ersten Tagen handhaben sollst, denn jede Familie und jedes Baby sind unterschiedlich. Und ich bin sicher, dass ihr da euren eigenen Weg finden werdet.

Was ich dir gerne erzähle, ist, wie wir es gemacht haben. Vielleicht inspiriert es dich. Vielleicht möchtest du es auch so machen. Und wenn nicht, dann ist das auch okay. Erzähl mir im Nachgang gerne, wie es euch ergangen ist 😊.

So ist unser Abhaltestart gelaufen

Auch wenn wir eine absolute Traumgeburt bei uns zu Hause hatten, war ich die ersten Tage ganz schön platt. Und genau deswegen haben wir die ersten Tage, in denen sowieso viel Haut-zu-Haut-Kontakt war, einfach nur ein Mulltuch locker um die Hüften unseres Babys gewickelt.

Ich fand das so viel praktischer, denn ich habe von außen direkt gemerkt, wenn das Mulltuch nass war und konnte es durch ein Neues ersetzen. Und weißt du was ich damit gleichzeitg bekommen habe? Ein Gespür für die Ausscheidungen und Signale unseres Babys. Schulung für meine Intuition sozusagen.

Auf dem Foto siehst du übrigens, wie du das Mulltuch am Baby befestigen kannst, ohne, dass es ständig verrutscht. Du kannst bei dieser Falttechnik übrigens auch sehr gut eine Überhose über das Mulltuch ziehen (falls du doch sichergehen willst, dass du nicht nass wirst).

💡Tipp: Frag mal deine Hebamme, die haben oft richtig coole Falttechniken drauf!

Ab dem dritten oder vierten Tag, habe ich dann die ersten Abhalteversuche gewagt. Und das hat erstaunlich gut geklappt! Abgehalten habe ich z.B. meistens während dem Stillen (ja ich weiß, das ist am Anfang ganz schön unbequem) oder nachdem unser Baby geschlafen hat.

Das sind typische Standardsituationen, in denen die Babys sowieso „mal müssen“. Mehr dazu erfährst du in meinem Blogartikel über die Grundlagen des Abhaltens.

Signale, die keine klassischen Abhaltesignale sind

Es gibt die bekannten Signale wie den O-Mund oder eine bestimmte Art zu weinen. Die sind toll, aber mein Baby hat den O-Mund zum Beispiel erst während dem Ausscheiden gemacht, nicht davor. Also hilft mir das Signal in dem Fall nicht wirklich. Auch das Weinen ist manchmal schwierig zu unterscheiden. Und wenn du zu sehr versuchst, Signale zu erkennen, dann sitzt du am Ende wieder da und beobachtest dein Baby die ganze Zeit. Und genau das wollten wir ja nicht 🙂

Deshalb lassen wir das einfach mal ganz weg und konzentrieren uns nur auf die Situationen, die sehr offensichtlich sind und die auch funktionieren, wenn du keine Signale erkennst.

Das Baby will trinken – aber trinkt nicht

Das ist so ziemlich das sicherste Ausscheidungssignal das es gibt. Und mir ist es JEDES MAL aufgefallen! Mein Baby hatte Hunger und hat angefangen die Brust zu suchen, aber einfach nicht getrunken. Ständig an- und wieder abgedockt, den Kopf weggedreht, war unruhig oder hat angefangen zu quengeln.

Wenn du das bei deinem Baby bemerkst: Abhalten! Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und sage in 99% der Fälle wird es pinkeln. Das funktioniert übrigens auch wunderbar nachts…!!

Babyschale? NEIN DANKE, Mama!

„Mein Baby fährt einfach nicht gerne Auto, es weint einfach jedesmal!“ Sicher hast du diese Aussage schon mal gehört. Doch was ist dran? Können so viele Babys das Autofahren wirklich nicht ausstehen oder steckt etwas anderes dahinter?

Stell dir vor du musst ganz dringend pinkeln. Und jemand anderes sagt dir, dass du dich jetzt ins Auto setzen und anschnallen musst. Körperlich bist du unterlegen, mit Worten kannst du dich auch nicht verständigen. Und jetzt? Nimmst du es einfach hin und lässt es laufen? Oder wehrst du dich, windest dich im Sitz und fängst an zu schreien weil du dir nicht in die Hosen pinkeln willst?

Das Beispiel mag dir jetzt vielleicht überspitzt vorkommen. Doch ist es nicht genauso auch bei unseren Babys?

Mit dem Hintergrundwissen, dass unsere Babys keine Nestbeschmutzer sind, hast du eine ganz neue Abhaltesituation, die ebenfalls eine sehr hohe Trefferquote hat: Biete das freie Ausscheiden an, bevor du dein Baby in die Babyschale setzt und wenn du es wieder rausholst. Denn ja, dein Baby wartet auf die Gelegenheit und hält ein.

Probier es aus! Und vielleicht stellst du dann fest, dass dein Baby gar nichts gegen das Autofahren per se hat, sondern nur gegen das Autofahren mit voller Blase oder nasser Windel.

PS: Das gleiche gilt übrigens für die Trage oder das Tragetuch. Dass dein Baby mal muss, erkennst du hier sogar besonders gut, denn dein Baby streckt die Beinchen durch.

Das sieht in etwa so aus, als wollte es in der Trage aufstehen. Ich persönlich finde das auch sehr offensichtlich! Trefferquote 90%.

Ooohhh der Kopf wird ganz rot!

Bekommt dein Baby immer wieder kurz einen roten Kopf und sieht angestrengt aus? Dann fix die Windel weg und ab aufs Töpfchen!

Auch dieses Signal finde ich sehr offensichtlich! Meistens begleitet von einem drückenden Geräusch 🙃. Und entgegen deiner Erwartung passiert das nicht nur beim Stuhlgang, sondern auch beim bzw. vor dem pinkeln.

Nächtliche Unruhe

Unsere Nächte mit Kind 2 sind soooo entspannt! Ehrlich, ich könnte mir in den Hintern treten, dass ich Kind 1 nachts nicht abgehalten habe! Und nein, abhalten ist keine Garantie dafür, dass dein Baby plötzlich super schläft. Kinder sind verschieden. Doch ich bin mir sicher, dass sich viele „Schlafprobleme“ von alleine erledigen, wenn wir unsere Babys nachts abhalten.

Doch warum ist das so?

Im Prinzip gibt es drei Gründe, warum dein Baby (wir reden von Neugeborenen) nachts unruhig wird:

  1. Es hat Hunger und möchte Milch
  2. Es muss mal
  3. Es hat noch keinen Tag/ Nacht-Rhythmus

Das mit dem Rhythmus hast du sicher schon mal gehört. Dass es Milch will, ist offensichtlich. Aber ja, es ist doch logisch, wenn dein Baby Milch trinkt, dann muss es auch ausscheiden. Und da sind wir wieder beim Punkt: Babys sind keine Nestbeschmutzer.

Es wird unruhig, damit DU darauf aufmerksam wirst und ihm dabei helfen kannst. Also Windel weg, übers Töpfchen halten (das geht auch wunderbar mit Stilllicht im Bett), hinlegen und stillen, weiterschlafen. So läuft das bei uns. Das ist eine Sache von wenigen Minuten.

Klappt das immer?

Nein. Und das macht doch auch gar nichts.

Manchmal bin ich einfach zu müde und wache erst auf, wenn die Windel schon nass ist. Dann tausche ich die Saugeinlage aus, stille und wir schlafen weiter. Ein anderes Mal bekomme ich jede Unruhe mit, jedes Geschäft geht ins Töpfchen und die Windel vom Abend zuvor ist morgens immer noch trocken.

Können wir an der Stelle mal kurz drüber reden wie genial das eigentlich ist? 🤩

Also kurz zusammengefasst:

Wenn dein Baby nachts unruhig wird und du das bemerkst (vielleicht denkst du es will Milch trinken, aber es dockt immer wieder an- und ab?) dann halte es einfach mal ab anstatt frustriert aufzustehen und mit deinem Baby wippend und singend durch die Räume zu laufen. Abhalten ist deutlich entspannter!

Auf dem Foto siehst du übrigens die Lybbie Windel und unser Kindsgut Abhaltetöpfchen inkl. Silikonband und Merinowollbezug. Das Silikonband sorgt dafür, dass dir das Töpfchen nicht zwischen den Beinen wegrutscht, wenn du dein Baby abhältst.

Und der Merinowollbezug hat mehrere Vorteile: die Wolle ist wasserabweisend, d.h. wenn mal Pipi daneben geht, ist es nicht gleich nass. Und wenn der Bezug doch mal schmutzig wird, reicht es aus, diesen kurz von Hand auszuwaschen. Zudem ist der Wollbezug immer angenehm temperiert und dein Baby sitzt bequem auf der Wolle, anstatt auf dem kalten Plastiktöpfchen.

Wir lieben dieses Töpfchen und ich nehme es auch gerne mit, wenn ich unterwegs bin!

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Was du wissen solltest

Babys brauchen manchmal ein paar Minuten

Manche Babys werden aufs Töpfchen gesetzt und es geht sofort los. Andere brauchen ein paar Minuten. Und das ist völlig normal, weil Babys das noch nicht so bewusst und gezielt steuern können. Das muss ja auch erst gelernt werden!

Ganz häufig klappt das Abhalten nämlich aus dem Grund nicht, weil die Eltern zu ungeduldig sind. Da passiert auf dem Töpfchen nichts und kaum wird das Baby abgelegt, pinkelt es los. Kennste? 😏

Stuhlgang wird schubweise abgesetzt

Neugeborene Babys scheiden schubweise aus, insbesondere Stuhlgang. Deswegen kannst du dein Baby einfach nochmal aufs Töpfchen setzen, wenn ein bisschen Stuhlgang in die Windel gegangen ist, die zweite Ladung geht dann häufig ins Töpfchen. Nach ein paar Wochen legt sich das übrigens und dein Baby kann alles auf einmal raus lassen.

Dein Baby windet sich auf dem Töpfchen?

Wenn sich dein Baby auf dem Töpfchen durchstreckt und weint, hat das meistens zwei Ursachen:

  1. Dein Baby hat gerade Milch getrunken und der Bauch ist voll. Oft begleitet von etwas Luft im Bauch. Das ist natürlich unangenehm und dein Baby möchte aus dieser Situation raus. Die Lösung: Ein Zwischenbäuerchen. Dann ist die Luft raus und die Abhalteposition angenehmer!
  2. Dein Baby mag Begrenzung, denn die kennt es aus deinem Bauch. Überleg mal kurz, wie eng es da drin gewesen sein muss! Hängt dein Baby jetzt auf dem Töpfchen mit den Beinen in der Luft, ist das sehr unangenehm. Es weiß ja gar nicht wo sein Körper anfängt und wo er aufhört. Deshalb keine Scheu: Neugeborene möchten Körperkontakt, insbesondere Fußkontakt ist fürs Ausscheiden wichtig. Halte deshalb die Füße deines Baby gut fest und gib etwas Gegendruck. Du kannst die Beinchen auch zum Schneidersitz „falten“ und halten.

Kein Perfektionismus bitte

An manchen Tagen hat das Abhalten so gut geklappt, dass ich kaum Windeln gebraucht habe. An anderen Tagen hat das Abhalten nur 2 oder 3x geklappt, alles andere ging in die Windel. Und weißt du was? Das ist völlig normal. Es gehört dazu. Es ist ein Kennenlernen und Ausprobieren.

Und wenn du es mal aus dieser Perspektive siehst:

Wie gut, dass es Windeln gibt und du gar nicht den Druck hast, jede Ausscheidung erwischen zu müssen, oder?

Es geht nicht um Perfektion. Es geht nur darum, das Bedürfnis deines Babys auf dem Schirm zu haben und darauf einzugehen, statt es einfach wegzuwickeln. Dass du nicht ratlos dastehst, mit unruhigem Baby auf dem Arm. Sondern dass dir dann einfällt „halt, da war doch was!“ und dann probier es einfach mal aus.

Abhalten ist ein Angebot. Entweder nimmt es dein Baby an oder eben nicht. Und ich bin sicher dein Baby wird es dankend annehmen. Und für dich hat das den zusätzlichen Vorteil, dass du dir Wäsche oder Müll sparst und eine bindungsstärkende Kommunikation mit deinem Baby erleben kannst ❤️.

Wie hast du das Abhalten im Wochenbett erlebt? Hast du dich da überhaupt schon getraut oder erst später? Erzähl gerne mal! Ich freue mich immer über Erfahrungsberichte!

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